Offener Brief: Protest gegen transphobe und homophobe Argumentation in der FSKBegründung
zum Film „Romeos“, Prüf‐Nr. 129 273/V
TransInterQueer e.V. & TGNB fordern Rücknahme und Entschuldigung der FSK
Sehr geehrte Damen_Herren der FSK,
TransInterQueer e.V. und das Transgender Netzwerk Berlin (TGNB) protestieren aufs
Schärfste gegen die trans‐ und homophobe Begründung für die FSK‐Einstufung „ab 16
Jahren“ des Films „Romeos“ (Prüf‐Nr. 129 273/V), die zudem „Geschlechtsidentität“ mit
„Homosexualität“ verwechselt. Der Film handelt von einem transmännlichen
Jugendlichen im Prozess des trans* Coming‐Outs, der sich in einen Cis‐Mann verliebt –
behandelt also die Überschneidung von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit.
Aber Unwissendheit schützt bekanntlich vor Diskriminierung nicht:
In der Begründung der FSK heißt es „das Thema selbst ist schon schwierig“, es könne für
die Jüngsten in ihrer „sexuellen Orientierungsphase“ belastend sein, außerdem würde
der Film eine „völlig einseitige Welt der Homosexualität“ schildern, die eine „verzerrte
Realität“ widerspiegele und zu einer „Desorientierung der sexuellen Selbstfindung“
führen könne. Obwohl auch laut FSK am Film selbst nichts auszusetzen ist, der Film auf
der Bildebene „nicht schamverletzend“ sei und auch die Sprache nicht „zotig“ wäre,
befürchtet die FSK allein durch die Behandlung des Themas Transsexualität/Transgender
in Verbindung mit Homosexualität und Jugend, dass der Film für unter 16 Jährige nicht
„verkraftbar“ sei. Das ist skandalös und rechtsverletzend!
Transgeschlechtliche und homosexuelle Lebensweisen sind gesellschaftlich ebenso wie
nicht‐trans* (cis) Geschlechtsidentitäten und heterosexuelle Sexualitäten als
gleichwertig und gleichberechtigt zu akzeptieren. Eine Aufklärung darüber hat schon in
Schulen zu erfolgen. Das Coming‐Out als trans* und/oder lesbisch/schwul/bisexuell
treffen Kinder, Jugendliche und Erwachsene als Lebensentscheidung auf
unterschiedliche Weise und zu unterschiedlichen Zeiten. Es gibt also viele Realitäten.
Dieser Film zeigt keine „verzerrte“ Realität, sondern einfach eine Form von Realität und
ist ein Informationsangebot, das gerade in seiner Intersektionalität wichtig ist und nicht
abwertend behandelt werden darf. Die Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung
sind sowohl durch das Grundgesetz als auch durch das Allgemeine
Gleichbehandlungsgesetz geschützt. Die FSK verletzt in ihrer Begründung beides.
Wir fordern daher die umgehende, nicht‐diskriminierende Berichtigung der FSKEinstufung
und eine Entschuldigung der FSK bei den betroffenen Personengruppen,
nämlich allen ca. 8 Mio. Homosexuellen und 800.000 trans* Menschen in Deutschland,
die zudem äußerst selten ähnliche Möglichkeiten der positiven Selbstidentifikation in
der medialen Repräsentation wie in diesem Film haben.
Wir empfehlen Ihnen zudem dringend, eines unserer Fortbildungsangebote zu Transund
Intergeschlechtlichkeit in den Medien und zu Nicht‐Diskriminierung wahrnehmen.
Mit freundlichen
TransInterQueer e.V., Transgender Netzwerk Berlin, Wissenschaftlicher Beirat des TGNB
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