Schottland wird Ehe für Lesben und Schwule öffnen
Veröffentlicht am 25. Juli 2012 in LesBiSchwul, News, Politik

Schottland wird der erste Teil von Großbritannien werden, das die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren beenden wird und die Ehe für Lesben und Schwule öffnen wird. Diesen Schritt kündigte die “Scotish National Party” (SNP), die mit absoluter Mehrheit regiert an. Schottische MinisterInnen bestätigten, dass ein entsprechender Gesetzesentwurf im Parlament eingebracht wird.Trotz heftiger Proteste verschiedenster Kirchen setzt die SNP die Pläne voran, die Diskriminierung von Lesben und Schwulen im Ehe-Recht zu beenden voran. Als entsprechende Pläne im Frühjahr seitens der schottischen Politik als auch der britischen Regierung publik wurden, begab sich im besonderen die katholische Kirche in Schottland und der “Kirche von Schottland” auf Fundamentalkurs.
In einem Artikel in der britischen Zeitung “The Sunday Telegraph” hetzte der oberste katholische Glaubensvertreters Schottlands, Keith Michael Patrick O’Brien, gegen Lesben und Schwule und bezeichnete die “Homo-Ehe als einen grotesken Irrsinn” sowie einen Vorschlag einer “unaufrichtigen Regierung“. Weiters behauptet er, dass die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule eine “Zerstörung der allgemein anerkannten Menschenrechte” wären (thinkoutsideyourbox.net berichtete).
Gesetzesinitiative wird von SNP eingebracht werden
Nun bestätigten schottische Minister, wie die britische “BBC“ berichtet, dass die “Scotish National Party”, die auf europäischer Ebene mit den Grünen kooperiert, eine entsprechende Gesetzesinitiative im Parlament einbringen wird. Im Parlament selbst wird die Ehe-Öffnung von allen Oppositionsparteien unterstützt.
Im Februar unterzeichneten alle Oppositionsparteien (Labour, Konservative, Liberaldemokraten und Grüne) geschlossen eine Vereinbarung des schottischen “Equality Network” unterschrieben, das die völlige Gleichstellung von Lesben und Schwulen im Ehe-Recht fordert. Bei der feierlichen Unterzeichnung im schottischen Parlament waren über 400 Personen anwesend, die diesen ersten historischen Schritt feierten (thinkoutsideyourbox.net berichtete).
Auch wenn es innerhalb der SNP unterschiedliche Haltungen hinsichtlich des Ehe-Rechts für Lesben und Schwule gibt und ob die Kirchen verpflichtet werden sollen, auch gleichgeschlechtliche Ehe-Schließungen durchzuführen. Es bleibt also abzuwarten, wie der Gestzesentwuf ausgestaltet sein wird. Eine Mehrheit im Parlament wird jedoch von LGBT-Organisationen und SNP-MinisterInnen als gesichert angesehen. Damit würden im Jahr 2013 gleichgeschlechtliche Paare eine Ehe schließen können.
Größte Befragung in der Geschichte Schottlands
Der Weg bis zu dieser Ankündigung, dass die SNP einen entsprechenden Gesetzesantrag einbringen werde, war äußerst intensiv. Die SNP startete im Jahr 2011 eine große Befragung, an der sich ingesamt über 50.000 SchottInnen beteiligten. Die Befragung ging am 9. Dezember 2011 zu Ende.
Zwar sprachen sich in dieser größten Befragung eine Mehrheit gegen die Ehe-Öffnung aus, doch mobilisierten gerade Gleichstellungs-GegnerInnen – allen voran verschiedene Religionsinstitutionen – gegen die Ehe-Öffnung. Doch Umfragen sprechen eine andere Sprache.
Eine veröffentlichte Umfrage im Juni 2012 von 1.968 Befragten, die von “YouGov” im Auftrag von “Stonewall Scotland” durchgeführt wurde, zeigt eine weitere Steigerung der Unterstützung für die Ehe-Öffnung (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Mittlerweile unterstützen 64 % der Befragten die Gleichstellung im Ehe-Recht. Unter den Gläubigen sind es ca. die Hälfte. Somit unterstützen fast zwei Drittel das Ende der Diskriminierung, mit einer konstanten Steigerung. Im Jahr 2010 waren es 61 %.
Die Umfrage erhob weiters, ob LGBTs in Schottland mit Vorurteilen, Homophobie und Transphobie zu kämpfen haben. Drei von fünf Begragten glauben, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen mit Vorurteilen in der Gesellschaft zu kämpfen haben. Mehr als vier von fünf Befragte geben an, dass es richtig ist, dagegen vorzugehen und diese zu bekämpfen.