"Benjamin und Brecht. Denken in Extremen“
Akademie der Künste stellt die Freundschaft zwischen Walter Benjamin und Bertolt Brecht in den Mittelpunkt einer Ausstellung
Eröffnung: 25. Oktober 2017, 19 Uhr
Die Beziehung zwischen Walter Benjamin (1892–1940) und Bertolt Brecht (1898–1956) ist eine außergewöhnliche Konstellation: Kritiker und Dichter, Kommentator und Autor, Kunsttheoretiker und Regisseur, Wissenschaftler und Künstler, Metaphysiker und Rationalist. In ihren Konflikten wie im Produktiven, in der erstaunlichen Fähigkeit, Widersprüchliches gelten lassen zu können, in ihrem Zusammenklang wie im Verstörenden spiegelt die Beziehung zwischen Benjamin und Brecht das Jahrhundert der Extreme. Vieles, was sie umgetrieben hat, wirkt heute bestürzend aktuell: Was ist radikale Kunst? Wie begegnet man einer gesellschaftlichen Krise? Wer schreibt Geschichte?
Zum ersten Mal widmet sich eine Ausstellung dem Thema Benjamin und Brecht. Mit beiden zur Akademie gehörenden Archiven, dem Walter Benjamin Archiv und Bertolt-Brecht-Archiv sind die Voraussetzungen dafür ideal. Die Ausstellung zeigt die Aktualität dieser Freundschaft, das historisch Dokumentierbare, das Echo von Freunden und Feinden sowie Momente der Rezeption im Denken und in der Kunst. Sie geht aus von der persönlichen Nähe und reagiert auf den Umstand, dass die Namen Benjamin und Brecht Chiffren geworden sind, Modelle für die Kunst und die Weltbetrachtung.
Zu sehen sind eine Auswahl mitunter noch unbekannter Originale: Brechts Schachbrett und eine chinesische Laotse-Figur, Gedichtmanuskripte, Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Fotos – Schlüsseldokumente, die Dreh- und Konfliktpunkte der Begegnung aufzeigen. Ergänzt wird das historische Material durch originale Film- und Audiodokumente, darunter Aufzeichnungen früherer Brecht-Aufführungen. Hinzu kommen zeitgenössische künstlerische Arbeiten, die das Geschehen aus der Gegenwart kommentieren: Zoe Beloff, Adam Broomberg / Oliver Chanarin, Edmund de Waal, Felix Martin Furtwängler, Friederike Heller, Alexander Kluge, Mark Lammert, Jonas Maron, Thomas Martin / Irina Rastorgueva, Marcus Steinweg und Steffen Thiemann.
Das umfängliche Begleitprogramm beinhaltet Lesungen, Vorträge, Konzerte und Szenische Debatten. Mitwirkende sind u.a. Alexander Kluge, Corinna Harfouch, Lorenz Jäger, Mara Delius, Friederike Heller, Kathrin Röggla, Marcus Steinweg und Hanns Zischler.
Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht das Begleitbuch zur Ausstellung, herausgegeben von Erdmut Wizisla, Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs und des Walter Benjamin Archivs in der Akademie der Künste und Leiter des Kuratorenteams.
Die Ausstellung wird gefördert von der Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste, der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und der FRIES-Gruppe.
Ausstellungsdaten
Titel: „Benjamin und Brecht. Denken in Extremen“
Laufzeit der Ausstellung: 26. Oktober 2017 – 28. Januar 2018
Öffnungszeiten: Di – So, 11 – 19 Uhr
Eintritt: € 9/6
Bis 18 Jahre und dienstags ab 15 Uhr Eintritt frei
Führungen: Di 17 Uhr und So 11.30 Uhr, € 3 zzgl. Ausstellungsticket
Kartenreservierung: Telefon (030) 200 57-1000, ticket@adk.de
Ort: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
.................................................................................................................................................
Erdmut Wizisla
Benjamin und Brecht - Die Geschichte einer Freundschaft
Mit einer Chronik und den Gesprächsprotokollen des Zeitschriftenprojekts »Krise und Kritik«
Benjamin und Brecht
D: 13,00 €
A: 13,40 €
CH: 19,50 sFr
Erschienen: 29.11.2004
suhrkamp taschenbuch 3454, Taschenbuch, 396 Seiten
ISBN: 978-3-518-39954-5
Inhalt
Die Freundschaft zwischen Walter Benjamin und Bertolt Brecht gehört zu den ästhetisch und politisch folgenreichen des 20. Jahrhunderts. Hannah Arendt nannte die Freundschaft »einzigartig«, »weil in ihr der größte lebende deutsche Dichter mit dem bedeutendsten Kritiker der Zeit zusammentraf«. Andere Freunde teilten dieses Urteil nicht. Ihr Argwohn hat zu Fehldeutungen geführt, die sich bis heute halten.
Das Buch sichert die Spuren der Begegnung und räumt dabei Vorurteile aus dem Weg. Zahlreiche unveröffentlichte Dokumente ermöglichen neue Wertungen. Erstmals analysiert werden die Gesprächsprotokolle des Zeitschriftenplans »Krise und Kritik« (1930/31), die dem Band als Faksimile beigegeben sind. Anhand von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Notizen werden die Themen der Zusammenarbeit aufbereitet. Eigene Kapitel widmen sich sowohl Benjamins Arbeiten über Brecht als auch Brechts Äußerungen über Benjamin.